INDUSTRY – Konferenz für Product Manager

INDUSTRY – Konferenz für Product Manager

Wie plant, entwickelt, testet und vermarktet man Software? Welche Rolle spielt der Produkt Manager? Und in welche Fallen kann man tappen?

Über all diese Fragen – und noch viele mehr – haben sich ca. 400 Konferenzbesucher auf der INDUSTRY ausgetauscht.

INDUSTRY, auch die “Product Conference” genannt, findet zweimal jährlich statt.

In Dublin (im Frühling) und in Cleveland (im Herbst) tauschen sich Product Owner, Product Manager, Software-Entwickler und Experten über die neusten Methoden, Tools und Frameworks aus.

Ihr Ziel ist es, skalierbare Software zu entwickeln und auszuliefern.

Auf der INDUSTRY, die am 09.03.-11.03. in Dublin stattgefunden hat, gab es interessante Vorträge und Workshops. Zwei Vorträge, besser gesagt zwei Vortragende, haben sich deutlich von den anderen Präsentatoren abgehoben.  

Zu nennen ist hier zum einen Gibson Biddle.

Gib, wie ihn die Konferenzbesucher nennen, hat viele Stationen hinter sich gebracht. Die wohl prägendste Station war die des Vice Presidents bei Netflix.

Heute ist der zweifache Vater aus Boston vor allem als Speaker und Workshop-Moderator auf der ganzen Welt unterwegs.

Während der INDUSTRY bot Gib drei Slots an:

Einen Workshop “Product Strategy” und einen weiteren namens “Hacking Your Product Leader Career”, sowie einen Vortrag zum Thema “Netflix’s Customer Obsession”.

Die Workshops mit Gib waren sicher ein Highlight der INDUSTRY.

Gib bietet nicht nur Fachwissen, sondern überzeugt auch durch seine lustige und schlagfertige Art. Bei einem Workshop mit Gib kann man sich nicht in der letzten Reihe verstecken. Man muss jede Minute damit rechnen, selbst einen kleinen Auftritt auf der Bühne zu haben.

Die zweite, sehr inspirierende Person, war Shellye Archambeau.

Shellye hatte mit nur 16 Jahren den Traum, CEO von IBM zu werden. Tatsächlich war sie dann knapp 15 Jahre bei IBM tätig, wechselte schließlich jedoch an die Unternehmensspitze von Nordstrom, Inc und Verizon, Inc.

Shellye beeindruckt vor allem durch ihren Ehrgeiz und das Gefühl, dass nichts in der Welt unerreichbar ist, wenn man nur hart genug dafür arbeitet.

Während der INDUSTRY beschreibt Shellye im Vortrag „A Conversation About Struggle“, welche Herausforderungen ein Product Manager tagtäglich hat und wie er diesen Herausforderungen begegnen kann.

Im Folgenden möchte ich auf drei Punkte eingehen, die Gib und Shellye besprochen hatten.

1.Kulter, Kultur, Kultur

Unternehmen können die besten Leute, die besten Ideen und viel Geld haben. Wenn jedoch die Kultur nicht stimmt, werden sie keinen (langfristigen) Erfolg haben.

Besonders wichtig ist dabei, dass die Hierarchien flach sind. Entwicklungsteams sollen selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen möchten. In diesem Kontext kam immer wieder das Schlagwort „Servant Leadership“ zur Sprache. In der Literatur liest man häufig, dass Servant Leadership bedeutet, eine Führungskraft solle Hindernisse ausräumen und sich überflüssig machen. Gib und Shellye betonen, dass „sich überflüssig machen“ nicht bedeutet, dass es keine Führungskräfte mehr braucht – ganz im Gegenteil. Führungskräfte müssen eine Kultur schaffen, in der sich Teams entwickeln können. Das ist eine schwierige aber sehr wichtige Aufgabe.

2.Softwareentwicklung als Projekt

Märkte – überall auf der Welt – sind hart umkämpft. Schnell zu sein, ist ein Must-Have für viele Unternehmen. Gib zeigt am Beispiel von Netflix, wie sie es geschafft haben, ein Produkt sehr schnell auf den Markt zu bringen. Netflix hat sich ein Team herausgenommen und diesem Team ein Projekt mit einem klaren Ziel gegeben. Dieses Team hatte zum Zweck der schnellen Auslieferung, die Freiheit, so zu arbeiten, wie sie es für richtig hielten. Das führte dazu, dass das Team selbstständig neue Technologien und Tools genutzt hat (die zu diesem Zeitpunkt bei Netfix nicht etabliert waren) und alle 6 Wochen Feedback-Runden mit dem Management eingebaut hat. Das Team konnte ihre Performance steigern und das Produkt ausliefern. Zudem hatte das Team eine ansteckende Wirkung auf andere Teams, die auch Lust bekommen haben ein Software-Projekt umzusetzen.

3.Blind für das eigene Baby

Shellye sagt: „Wenn man Eltern fragen, ob sie ein hübsches Baby bekommen haben, so ist die Antwort selbstverständlich immer Ja. Denn noch nie hat irgendjemand auf dieser Welt ein hässliches Baby bekommen.“ Eltern lieben ihr Baby und genauso geht es Produkt Managern oder Product Ownern mit ihrem „Software-Baby“. Teams lieben ihre Software und werden oftmals blind für die Realität. Shellye empfiehlt daher, dass alle, die an der Entwicklung der Software beteiligt sind, regelmäßig die Perspektive wechseln. So ist die Sicht des Vertriebs und des Kunden besonders zu empfehlen. Dies kann über Hospitationen im Vertrieb oder über Kundenumfragen geschehen. Shellye geht in ihren Ausführungen so weit, Teams anfangs dazu zu zwingen, bis sie den Vorteil sehen und diese Zeit freiwillig investieren.

Abgesehen von diesen drei Punkten, ist mir aufgefallen, dass das Hype-Thema „Agilität“ und „Scrum“ kaum erwähnt wurde auf der INDUSTRY.

Mir scheint, dass eine agile Softwareentwicklung zum Hygienefaktor in einem Unternehmen geworden ist und Teams und Unternehmen bereits auf dem Sprung zu neuen Methoden sind.

Zudem scheint sich das projekthafte Arbeiten an Produkten, zum Zwecke einer sehr schnellen Auslieferung, in vielen Unternehmen etabliert zu haben. Jedem, der Interesse an aktuellen Themen rund um Softwareentwicklung aus einer fachlichen Brille hat, kann ich die INDUSTRY sehr empfehlen.

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